1. WAS IST KUNST?

2012 // Performance-Remake of Raša Todosijević Performace "Was ist Kunst?"

45 min

was ist kunst? Lysann König, 2012, Performance mit Alexandra Meyer & Steven Schoch
was ist kunst? Lysann König, 2012, Performance mit Alexandra Meyer & Steven Schoch

Video vom Guestcorner by Reinhard Storz

 

Performance Remake von "WAS IST KUNST?" von Rasa Todosijevic

 

Dauer: 45 Minuten

 

 


2. Drinking Water

2012 // Performance-Remake of Rasa Todesijevics Performace "drinking Water"

 


LYSANN KÖNIG Interview zu den REMAKES

 

Im Rahmen der Recherchen zu ihrer theoretischen Textarbeit wendet Lysann eine eher ungewohnte Methode an: die der Wissensaneignung durch Erfah- rung. Im März 2012 stellt sie zwei Aktionen von Raša Todosijević nach, um durch die direkte, praktische Erfahrung am eigenen Leibe einen zusätzlichen Zugang zu seiner Arbeit gewinnen zu können.

 

Kannst Du uns Dein Projekt der REMAKES erläutern?

Im Rahmen meiner schriftlichen Arbeit wollte ich über Performances schrei- ben, die sich intensiv mit dem eigenen Körper auseinander setzten und blieb dabei bei zwei spannenden Aktionen von Raša Todosijević hängen. Die Gren- zen unseres Körpers wurden gerade in den 70ern sehr ausgetestet, aber ich denke, dass es auch heute noch ein spannendes Thema für Künstler ist.

 

Was ist die Idee, resp. Absicht dahinter?

Mein Anliegen war es, mehr über diese Arbeiten herauszufinden, als das, was ich in Texten, Büchern oder Videos dazu an Informationen gewinnen konnte. Ich wollte wissen, was passiert dabei mit mir (respektive mit dem Performer), wie fühlt es sich an, sich in so eine Situation zu bringen aber auch, was das Publikum darüber empfindet, beziehungsweise denkt.

Ändert sich danach meine Ansicht über die Performance, beziehungsweise weiß ich mehr als vorher? Aber auch für mein eigenes künstlerisches Schaffen war es mir wichtig, dies zu testen.

 

Wie kam es dazu, dass Du diese Methode gewählt hast?

Das Medium Performance spielt auch in meiner künstlerischen Tätigkeit eine wichtige Rolle. Ich fand es spannend, eine Arbeit performativ zu erkunden, zudem wollte ich für mich selber die Arbeit an der schriftlichen Arbeit span- nender machen.

Auch die Methodik der Fragebögen war ein wichtiger Teil dieser Auseinander- setzung. Es war für mich sehr spannend zu erfahren, wie das Publikum diese beiden radikalen Performances empfand und ein Gewinn für meine Arbeit.

 

Kannst Du Dein Vorgehen beschreiben?

Zuerst recherchierte ich über den Künstler, seine Ansichten, bestehende Arbeiten und konzentrierte mich dabei vor allem auf seine beiden Performan- ces «Was ist Kunst?» und «Drinking Water». Ich recherchierte intensiv über diese beiden Arbeiten, wobei ich herausfinden musste, wie schwer es ist, etwas über Performances aus dem vergangenen Jahrhundert zu finden, vor allem wenn sie nicht aus dem Westen stammen.
Danach stellte ich anhand der Informationen die Performances nach, wobei ich hier und da noch viel künstlerischen Spielraum hatte für Eigeninterpretati- onen. Ich gab der geladenen Audienz Fragebögen, um auch ihre Eindrücke zu verarbeiten. Diese wertete ich zusammen mit meinen Eindrücken aus.

 

Kannst Du die gemachten Erfahrungen beschreiben?

Die für mich wichtigste, war die, dass das Publikum, und eben auch das Kunst- publikum meist einfach konsumiert, ohne groß ihre Rolle dabei zu reflektieren. Alle schauten zu, wie ich mich und das Publikum quälte in «Was ist Kunst?» und in «Drinkung Water» mich und sogar einen Fisch. Trotz den Überlegungen einzugreifen, tat es letztendlich niemand der Zuschauer. Bei «Drinking Water» kam dann plötzlich wie abgesprochen – was es nicht war – Sara Grütter und rettete den Fisch und somit auch mich vor den andauernden Qualen.

Nun habe ich zum Beispiel eine sehr zwiespältige Meinung, ob es in Ordnung ist, dass ein Fisch für die Kunst stirbt, aber finde es gleichzeitig wichtig, dass man auch an solche Grenzen geht, um wirklich die Menschen zum Nachden- ken zu bringen oder eine gesellschaftliche Problematik klar darzustellen. Nichts desto trotz finde ich es sehr fragwürdig, dass nicht ein Wort in all diesen Kunsttexten darüber verloren wird oder in Frage gestellt wird, ob es in Ordnung ist, wenn ein Lebewesen für die Kunst stirbt.

Aber durch diesen Weg fand ich für mich auch heraus, dass die Aktionen von Raša Todosijević immer die Möglichkeit zum Eingreifen boten, bis auf «Memoria».

 

Auf der Suche nach Grenzen und Selbsterfahrungen fand ich heraus, wie interessant es ist, wenn das Publikum auch an seine Grenzen gebracht wird. Dies bietet im Nachhinein betrachtet viel mehr Gesprächsraum.
Die Methodik des Schreibens war diesmal ganz nach meinen Geschmack, da ich mich nicht nur durch Bücher durchwälzen musste, sondern auch meinen eigenen, ganz speziellen Weg fand, der mich auch viel weiter bringt in meiner
eigenen künstlerischen Praxis.

Weiter hat es mir aber auch gezeigt, dass sich der westliche Kunstmarkt recht wenig für Künstler aus den Osten interessiert, denn es gab nur sehr wenige Texte auf Englisch, geschweige denn auf Deutsch über Raša Todosijević. Vielleicht wird sich ja das in Zukunft noch ändern. Mein Interesse ist jedenfalls geweckt.

 

 

Wie kam die Auswahl der Performances zustande?

Zuerst wollte ich mehrere Performances von verschiedenen Künstlern nach- stellen, die sich mit dem Körper befassten, dies waren Aktionen von VALIE EXPORT, Kazuo Shiraga, Stuart Brisley und Raša Todosijević. Aber je mehr ich über den serbischen Künstler Raša Todosijević las, desto Größer war mein Interesse sich nur auf ihn zu konzentrieren.

 

Sind die REMAKES abgeschlossen oder kannst Du Dir vorstellen, sie weiterzuführen?

Diese beiden Remakes sind für mich abgeschlossen, nachdem ich mich inten- siv mit ihnen auseinander setzte, schriftlich, performativ und forschend. Die Frage, die mir bleibt, ist nun: wie gehe ich mit den Relikten um.
Ich könnte mir vorstellen, mich auch auf andere schon geschehene Arbeiten zu konzentrieren, wenn sie wichtig für meine künstlerische Arbeit und Aus-

einandersetzung sind.

 

Interview: Marion Ritzmann